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Sichtmauerwerk

Unter der Bezeichnung Sichtmauerwerk wird generell ein Mauerwerk verstanden, das weder verkleidet noch verputzt ist und im Hinblick auf das fertig gestellte Bauwerk innen oder außen dauerhaft sichtbar ist. In der Regel kann ein Sichtmauerwerk als explizites Gestaltungselement sowohl bei Innenwänden als auch bei Außenwänden verwendet werden. Kommt das Sichtmauerwerk bei modernen Außenwandkonstruktionen zum Einsatz, ist die Realisierung nur mit Hilfe eines zweischaligen Aufbaus, wobei die Vorsatzschale aus Verblendmauerwerk besteht, möglich. Ohne diesen zweischaligen Aufbau kann ansonsten keine zufriedenstellende Dämmwirkung erzielt werden. Allerdings gibt es grundsätzlich keine einheitlichen bzw. standardisierten Kriterien in Bezug auf das optische Erscheinungsbild eines Sichtmauerwerks. Daher ist es ungemein wichtig, dass das Sichtmauerwerk als Leistung stets eindeutig und vollständig zum Beispiel in Konzeptionierungen und Kostenvoranschlägen beschrieben wird. So können Missverständnisse zwischen Planern, Bauherren und Bauunternehmen bereits im Vorfeld vermieden werden.

Im Gegensatz zum optischen Erscheinungsbild sowie zur gestalterischen Erscheinungsform ist die konstruktive Ausführung von Sichtmauerwerk in Richtlinien, Normen und Merkblättern eindeutig dokumentiert. Ausgeschrieben sowie abgerechnet wird Sicht- und Verblendmauerwerk dabei grundsätzlich nach der Mauerwerksnorm DIN 1053-1 oder auch nach DIN 18330:VOB-C.

In der Regel werden frostwiderstandsfähige KS-Verblendsteine (KS Vb) für das Außensichtmauerwerk verwendet. Falls das entsprechende Sichtmauerwerk nicht deckend mit Farbe gestrichen werden soll, ist es empfehlenswert, dass die Verblendsteine lediglich von einem Werk bzw. Unternehmen bezogen werden, da ansonsten oftmals Farbunterschiede kaum zu vermeiden sind. Des Weiteren sollte prinzipiell darauf geachtet werden, dass die Liefermengen in ausreichendem Umfang disponiert werden. So sollte die angelieferte Menge an entsprechenden Verbundsteinen auf jeden Fall immer zumindest für einen Wandabschnitt oder sogar für einen Bauabschnitt ausreichen. Muss nachgebessert bzw. nachgeliefert werden, sind bei den unterschiedlichen Produktionschargen geringe Unterschiede nämlich nicht auszuschließen. Diesbezüglich sollte stets berücksichtigt werden, dass bei großen Steinformaten Unregelmäßigkeiten beim Mauerverband oder bei den Steinen grundsätzlich eher ins Auge fallen als bei eher kleinformatigen Verblendsteinen. Daher sollten in Bezug auf großformatige Steine der Mauerverband, das entsprechende Einpassen der Fenster- und Türöffnungen sowie die jeweiligen Eckausbildungen in den Verband eingeplant werden.

Der nutzbare Fugenglattstrich bei einem Sichtmauerwerk ergibt allgemein quasi halbrund geformte Fugen. Dabei wird der entsprechende Mauermörtel während des Vorgangs des Aufmauerns des Sichtmauerwerks mit einem so bezeichneten Fugholz oder auch mit einem Schlauch glatt gestrichen. Durch den Mauermörtel ist dabei die Farbe der Mörtelfuge vorgegeben. Glatte Fugen werden beim Sichtmauerwerk in der Regel durch eine nachträgliche Verfugung generiert. Nach Fertigstellung der Sichtmauerwerksfläche kann der Fugenmörtel dann innerhalb eines separaten Arbeitsgangs eingebracht werden. Bedingt durch diese Vorgehensweise wird die Farbe der entsprechenden Mörtelfuge prinzipiell unabhängig vom Mauermörtel ausgewählt. Des Weiteren besteht die Möglichkeit auf die so genannte geschlämmte Fuge zurück zu greifen. Allerdings wird bei einem Außensichtmauerwerk diese Variante vergleichsweise selten angewendet. Wer sich für eine geschlämmte Fuge entscheidet, erhält dabei später ein eher rustikales Mauerwerk. Der rustikale Eindruck entsteht dabei durch das Zuschlämmen der Fugen, was in der Regel mit einem Quast beim Aufmauern realisiert wird. Anschließend kann mit einem deckenden Anstrich das rustikale Sichtmauerwerk vollendet werden. Diese Variante rund um ein geschlämmtes Mauerwerk kommt häufig insbesondere als Kellermauerwerk, in Industriebauten oder in Nebenräumen zum Einsatz. Ein geschlämmtes Mauerwerk gilt dabei gemeinhin als eine explizit preisgünstige Version des Sichtmauerwerks, wobei allerdings Abstriche im Hinblick auf das visuelle bzw. optische Erscheinungsbild in Kauf genommen werden müssen.

Grundsätzlich bietet ein entsprechendes Sichtmauerwerk mit strukturierter oder glatter Oberfläche eine Fülle von unterschiedlichen gestalterischen Möglichkeiten, wobei vor allen die Kombination mit anderweitigen Baustoffen wie zum Beispiel Beton, Glas oder Holz beliebt ist. Zudem können die jeweiligen Flächen des Sichtmauerwerks anhand eines feinen Fugennetzes unaufdringlich und maßstäblich gegliedert werden.

Auch im Hinblick auf die Oberflächenbehandlung stehen grundsätzlich verschiedene Varianten zur Verfügung. Zum einen kann ein Sichtmauerwerk dabei aus optischen Gründen mit einem deckenden Anstrich ausstaffiert oder farblos imprägniert werden. Diesbezüglich ist zu beachten, dass eine farblose Imprägnierung das optische Erscheinungsbild des Sichtmauerwerks zwar in keinster Weise verändert, dafür aber eine Art Selbstreinigungseffekt auftritt. So wirkt diese Variante vornehmlich bei mit strukturierten Oberflächen versehenen Verblendsteinen einer Verunreinigung bzw. Verschmutzung entgegen. Zudem trocknet das Sichtmauerwerk nach Regen in diesem Fall an der Oberfläche gleichmäßig und zeitnah ab. Daher treten hier unterschiedliche Feuchtigkeiten optisch nicht in Erscheinung. Wer sich dagegen für einen deckenden Anstrich entscheidet, vermindert deutlich den Kontrast zwischen Fugen und Steinen. Zudem sind dann Unregelmäßigkeiten bei der Verfugung weitaus weniger auffällig.

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