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Waldemar Wiora
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Derivate

Bei Derivaten (vom lateinischen ‘derivare’ = ableiten) handelt es sich ganz allgemein um Finanzinstrumente, deren Wert aus dem Zeitwert einer Bezugsgröße – als Basiswert oder Underlying bezeichnet – abgeleitet wird und die zeitlich verzögert zu erfüllen sind. Derivate stellen daher generell Termingeschäfte dar. Im deutschen Recht findet sich eine Legaldefinition von Derivaten im Kreditwesengesetz (KWG) und im Wertpapierhandelsgesetz (WpHG). In beiden Gesetzen werden derivative Finanzinstrumente im Einzelnen aufgelistet. KWG und WpHG bilden gleichzeitig die aufsichtsrechtlichen Grundlagen für die Überwachung des Derivate-Handels.

Derivate: ein Überblick

Unter den Derivat-Begriff fällt eine Vielzahl an Termingeschäften. Sie lassen sich wie folgt kategorisieren:

  • Festgeschäfte

    Festgeschäfte sind klassische Termingeschäfte. Der Käufer verspricht, den Basiswert zum vereinbarten Zeitpunkt zu einem bereits heute festgelegten Preis zu erwerben. Der Verkäufer verspricht eine entsprechende Lieferung bei Termin. Käufer profitieren bei steigenden Preisen des Basiswerts, Verkäufer bei sinkenden Preisen.

  • Optionsgeschäfte

    Bei Optionen erwirbt der Käufer das Recht, den Basiswert zu einem bestimmten Zeitpunkt (Europäische Option) oder in einem festgelegten Zeitraum (Amerikanische Option) zu kaufen (Call-Option) oder zu verkaufen (Put-Option). Er muss die Option aber nicht ausüben. Sein Kontrahent, der Stillhalter, verpflichtet sich, den Basiswert zum Ausübungszeitpunkt zu liefern oder einen Barausgleich zum dann aktuellen Zeitwert des Basiswerts durchzuführen. Er erhält dafür eine Optionsprämie als Gegenleistung.

  • Swapgeschäfte

    Swapgeschäfte bezeichnen Vereinbarungen, bei denen die Kontrahenten den Tausch künftiger Zahlungsströme aus bestehenden Forderungen oder Verpflichtungen vereinbaren. Der Zweck der Tauschvereinbarung liegt in der Nutzung relativer Vorteile der Kontrahenten auf unterschiedlichen Märkten. Zins- und Währungsswaps sind im Finanzbereich die häufigsten Erscheinungsformen.

Basiswerte

Bei den Basiswerten existiert eine große Bandbreite an Gütern, Finanzinstrumenten und wirtschaftlichen Kennzahlen, die als Referenzgrößen in Betracht kommen. Im Wertpapierbereich dienen vor allem Aktien und Anleihen als Basiswerte, aber auch Waren, Rohstoffe, Währungen und Edelmetalle sind häufige Bezugsgrößen. Wirtschaftliche Kennzahlen werden ebenfalls als Referenzgröße genutzt, zum Beispiel Indizes, Zinssätze und andere Größen. Eine besondere Kategorie von Derivaten bezieht sich auf Kreditausfallrisiken (Kreditderivate). Darüber hinaus können Derivate selbst als Basiswert für andere Derivate dienen (Beispiel Swaptions = Optionen auf Swapgeschäfte).

Vielfältige Erscheinungsformen

Unter die Bezeichnung ‘Derivate’ als Oberbegriff fallen viele Finanzinstrumente: Aktien- und Aktienindexoptionen und entsprechende Optionsscheine, Aktienfutures, Waren- und Devisentermingeschäfte, Forward Rate Agreements, Edelmetall-Termingeschäfte, – optionen und -futures, Caps, Floors und Collars, Credit Linked Notes und Credit Default Swaps, Zinsoptionen und -swaps bilden eine nicht abschließende Aufzählung. Auch die meisten Zertifikate, die von Banken und Investmenthäusern ausgegeben werden, können den Derivaten zugeordnet werden, da sie auf ähnlichen Konstruktionsprinzipen aufbauen wie herkömmliche Derivate.

Handelsformen

Derivate werden börslich oder außerbörslich (Over The Counter = OTC) gehandelt. Börsengehandelte Derivate sind stark standardisiert und oft handelt es sich dabei um Wertpapiere (zum Beispiel Optionsscheine). Der Börsenhandel findet an speziellen Börsen statt. Bedeutende Derivate-Börsen sind die Eurex (Deutschland/Schweiz), NYSE/Liffe (Großbritannien), Chicago Board of Trade (USA) und Korea Exchange (Südkorea). OTC-Geschäfte werden dagegen bilateral vereinbart und weisen häufig individuelle Vertragsgestaltungen auf.

Sinn und Zweck

Termingeschäfte dienten ursprünglich vor allem der Absicherung (Hedging). Die Kontrahenten wollten mit bereits heute festgelegten Vereinbarungen für künftige Lieferungs- und Zahlungsverpflichtungen Kalkulationssicherheit unabhängig von Marktentwicklungen schaffen. Diesen Zweck erfüllen Derivate in vielen Fällen auch heute. Mit Derivategeschäften lässt sich das Marktrisiko des Basiswertes im Idealfall vollständig ausschalten. Das funktioniert, in dem Derivate erworben werden, die sich möglichst genau gegenläufig zum Basiswert entwickeln. Marktteilnehmer können sich so relativ einfach gegen Zins-, Währungs- oder Kursrisiken absichern.

Derivate können aber auch gezielt zur Spekulation genutzt werden, um von bestimmten erwarteten Entwicklungen zu profitieren. Dann handelt es sich in der Regel um hochriskante Geschäfte. Dabei kommt der sogenannte Hebeleffekt zum Einsatz. Da der Derivatwert sich häufig aus Kurs- oder Preisdifferenzen beim zugrundeliegenden Basiswert ableitet, ist die Volatilität hier deutlich größer als beim jeweiligen Basiswert. Das eröffnet große Gewinnchancen bei vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz, aber auch entsprechende Verlustrisiken.

Ein drittes Motiv für Derivategeschäfte ist Arbitrage – die Ausnutzung von kurzfristigen Preisdifferenzen auf unterschiedlichen Märkten. Aus welchem Motiv Derivate auch erworben werden, sie tragen wesentlich zur Funktionsfähigkeit der internationalen Finanzmärkte bei, sorgen aber auch zum Teil für besonders heftige Kursausschläge. Derivate werden daher auch immer wieder kritisch diskutiert. Dies gilt vor allem mit Blick auf private Anlegergeschäfte. Der Einsatz von Derivaten erfordert spezifisches Finanz-Know How und eine permanente intensive Marktbeobachtung.

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