Konjunktur Indikatoren
Ein volkswirtschaftlicher Indikator oder eine makroökonomische Kennzahl gibt als Messgröße Informationen über die konjunkturelle Entwicklung oder aktuelle wirtschaftliche Situation. Sie eignen sich zum einen, um Prognosen zu erstellen und zum anderen um wichtige Investitionsentscheidungen zu treffen. Da aus der gesamtwirtschaftlichen Situation immer Rückschlüsse auf einzelne Wirtschaftssektoren gezogen werden können, geben die verschiedenen Konjunkturindikatoren nicht nur für die Bewertung von Aktien oder anderen Geldanlagen wichtige Daten. Insbesondere die Ausrichtung der Geldpolitik der Notenbanken, wie beispielsweise die EZB, und die konjunkturelle Steuerung durch die Regierungen orientieren sich an diesen Kennziffern.
Verschiedene Arten von Konjunkturindikatoren
Die Veröffentlichung der wichtigen wirtschaftlichen Kennzahlen wirkt sich in vielen Fällen direkt auf die verschiedenen Börsen aus. Die größten Bewegungen können registriert werden, wenn die von Wirtschaftsinstituten, Banken oder Wirtschaftszeitungen im Vorfeld veröffentlichten Prognosen sich nicht bestätigen. Grundsätzlich können die Konjunkturindikatoren nach dem Inhalt und dem Betrachtungszeitraum in Mengen- und Preisindikatoren sowie Früh-, Gegenwarts- und Spätindikatoren unterteilt werden.
Mengenindikatoren
Hier wird die Mengenentwicklung eines Objektes als Maßstab genutzt, wie zum Beispiel
- die Arbeitslosenstatistik,
- die Entwicklung der Auftragseingänge oder
- das Volumen der Industrieproduktion im Berichtszeitraum.
Preisindikatoren
Als Bemessungsgrundlage gilt hierbei die Entwicklung und das Niveau der Preise, wie zum Beispiel bei
- Aktien-, Devisen- und Anleihe-Kursen,
- dem Immobilienmarkt,
- der Inflationsrate,
- den Lebenshaltungskosten,
- den Lebensmittelpreisen und
- den Rohstoffpreisen.
Frühindikatoren
Diese vorauseilenden Indikatoren erlauben Prognosen auf die künftige Wirtschaftsentwicklung. Als ein Beispiel wäre hier der Geschäftsklimaindex zu nennen, den das Institut für Wirtschaftsförderung (IfO) auf der Grundlage von Befragungen ermittelt. Im Mittelpunkt der Recherchen bei 2.000 deutschen Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes, des Groß- und Einzelhandels sowie des Baugewerbes stehen die Einschätzung der Geschäftslage und die Erwartungen für die nächste Zukunft. Die bisherigen Tiefststände in den beiden Bereichen wurden mit 84,0 Punkten im Mai 1993 für die Geschäftslage und mit 78,5 Punkten für die Erwartungen im Dezember 2008 markiert.
Ein weiterer Frühindikator ist die von den statistischen Landesämtern von einer repräsentativen Unternehmensauswahl abgefragte Entwicklung der Auftragseingänge. Diese Daten werden permanent von der Deutschen Bundesbank sowie dem Statistischen Bundesamt veröffentlicht. Steigt der Index, ist von einer konjunkturellen Belebung auszugehen.
Darüber hinaus werden aber eine ganze Reihe weiterer Frühindikatoren errechnet, wie zum Beispiel der Konsumklimaindex, die Gewinnerwartungen von Unternehmen oder das Geldmengenwachstum.
Gegenwartsindikatoren
Zur Zustandsbeschreibung der aktuellen wirtschaftlichen Situation eignen sich insbesondere Angaben zum Brutto-Inlandsprodukt eines Monats, zur Zinshöhe oder den Sparquoten sowie dem Anteil von Kurzarbeit oder zur Höhe von Lagerbeständen.
Spätindikatoren
Aufschlussreich sind die Auswertungen der tatsächlichen Entwicklung verschiedener Parameter, wie beispielsweise
- der Arbeitslosenquote,
- der Inflationsrate,
- der Anzahl der Insolvenzen,
- der Steuereinnahmen,
- des Brutto-Inlandsproduktes für das gesamte Jahr,
- der Lohnkosten.
Zusammenspiel der Konjunkturindikatoren – Beispiel USA
Die statistischen Erhebungen sind die eine Seite, die möglichen Ableitungen aus diesen Kennziffern sind viel interessanter. Zum Beispiel werden mit großer Regelmäßigkeit die Arbeitsmarktdaten aus den USA erwartet, um aus den monatlichen Berichten wichtige Rückschlüsse für die Entwicklung an der Börse ziehen zu können. Fallen die Auswertungen positiv aus, wurden also weniger Neuanmeldungen zur Arbeitslosenhilfe eingereicht, als dies im Vormonat oder Vorjahr geschehen war, werden US-Aktien wahrscheinlich eine Aufwärtsbewegung absolvieren – und umgedreht. Allerdings reicht eine Kennziffer allein zur zuverlässigen Prognose nicht aus. Im genannten Beispiel spielt nämlich eine große Rolle, dass viele Erwerbsfähige in den USA aus der Statistik herausgefallen sind. Es macht also Sinn, sich mit weiteren Indikatoren zu befassen.
Als Ergänzung eignet sich der Konsumklimaindex, der Aufschluss über das Kaufverhalten der Bevölkerung gibt. Darüber hinaus können auch die Immobilienpreise einen wichtigen Hinweis liefern: Sind diese hoch, ist auch die Nachfrage stark. Bestätigen dann die Geschäftszahlen der Hypothekenbanken den Trend, deutet alles darauf hin, dass die positiven Erwartungen überwiegen.
Besonderheit Europa
Um zuverlässige Aussagen für Deutschland treffen zu können, muss immer auch der Euro-Raum berücksichtigt werden. So entwickeln sich das Brutto-Inlandsprodukt, die Arbeitslosenquoten sowie die Inflationsraten in den einzelnen Mitgliedsländern sehr unterschiedlich, allerdings gibt der Durchschnitt das große Gefälle nicht wieder. Gleichzeitig sind aber die Länder so verflochten, dass die Entwicklungen nicht unabhängig voneinander betrachtet werden können. Für eine Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung zählen also zum einen die länderspezifischen Kennziffern, zum anderen dürfen die europaweiten Entwicklungen nicht aus dem Auge verloren werden. Des Weiteren sind Beeinflussungen durch die Zentralbanken, wie zum Beispiel niedrige Leitzinsen, immer mit zu beachten, da sie teilweise die Ergebnisse verzerren und jederzeit wieder geändert werden können.